Der innere Kampf mit mir selbst oder auf der Suche nach der schönsten bayrischen Stadt 

 

Einfach mal machen 

*****
-- Gegendert wurde nicht.--
Bei allen Fotos wurde kein Filter angewendet. :)

Mal ehrlich: Wer würde Bilder von sich posten, die einem nicht gefallen? Hände hoch, wer Selfies von sich macht und einige wieder löscht, weil er sie nicht schön findet? Es geht uns doch allen so, aber auf Social Media wird darüber nicht gesprochen. Wir alle wollen uns von der besten Seite zeigen.
Ein Freund sagte mir einmal, ich solle bei meinen Wanderungen dazuschreiben, wie es wirklich war.
Also: hardcore Aufstieg, aber trotzdem unvergesslich, Aussicht am Gipfel ist immer mega und man fühlt sich so frei und unaufhaltsam, sterbenslanger Abstieg, Knie und Schienbein schmerzen. Soll ich weinen? Nein, bringt nichts. Ich muss einfach irgendwie runterkommen. Wie war die Nummer der Bergrettung noch mal?

»Bilder sagen mehr als 1000 Worte«, das ist ein Sprichwort, das viele schon gehört haben, aber ich bin da anderer Meinung. Ein Bild sagt nichts aus, welche Erlebnisse davor oder danach passiert sind. Ein Foto sagt nichts, welche Gefühle und Gedanken das Portrait in sich trägt. Ich kann lächeln und trotzdem traurig sein. Ich kann fett in die Kamera grinsen und dennoch negative Gedanken in mir tragen. 

Wenn ich etwas gerne mache, dann mache ich keine halben Sachen, sondern mit ganzem Herzen. Unter der Dusche hatte ich die Idee, meine Gedanken über meinen Kurztrip quer durch Bayern aufzuschreiben. 

 

Für diesen Sommer habe ich mir Folgendes vorgenommen: Tue das, was sich richtig anfühlt und du gleichzeitig Angst davor hast, denn das wird dich wachsen lassen. Ich habe in letzter Zeit viele Dinge getan, die mein Verstand bis jetzt noch nicht ganz nachvollziehen kann, doch es hat sich immer richtig angefühlt und das tut es auch jetzt noch. Alles passiert aus einem bestimmten Grund. Es hat sicher auch einen bestimmten Grund, weshalb du gerade dir die Zeit genommen hast, um diese Zeilen zu lesen.  

Sogar diese Worte zu schreiben und sie anderen lesen zu lassen, macht mir Angst. Aber was soll schon passieren? Nichts. Ich komme mir aber vor, als würde ich nackt in einem Schaufenster stehen und alle würden mich anstarren. 

Eigentlich wollte ich letztes Jahr schon einmal bekannte, mittelalterliche Städte in Bayern besuchen, doch irgendwie wurde daraus nichts. Warum nicht? Weil mir mein innerer Quatschkopf keine guten Geschichten darüber erzählte, alleine wegzufahren. Dieser Quatschkopf weiß viele Geschichten, die uns alle von dem zurückhalten, was uns wirklich wachsen lässt. Um es genau zu formulieren, haben wir tagtäglich 60.000 Gedanken – das habe ich einmal wo gelesen. Die meisten dieser Gedanken verlaufen unbewusst. Ich glaube sogar, dass ich doppelt so viele Gedanken habe, weil ich meinen Verstand nicht für ein paar Minuten einmal in den Hintergrund bekomme. Kopfmensch

Wie schon gesagt, ich habe mir vorgenommen, mehr auf meine innere Stimme zu hören. Oft ist das gar nicht so leicht. Sie ist viel leiser, als der Verstand. Der Verstand schreit dich meist an und drängt dich in eine Richtung. Die innere Stimme, die ich gerne Intuition nenne, ist sanft und flüstert dir mehr etwas zu. Also ist es logisch, dass man seine innere Stimme oft überhört. 

Nun zurück zu den bayrischen Städten: Immer wieder sind mir Bilder solcher Städte auf Instagram untergekommen und die Sehnsucht danach wurde mehr. Letztes Jahr schaffte ich es gerade einmal, ins Allgäu (alleine!) zu fahren und zur Almhütte des Skispringers Markus Eisenbichler zu wandern. Ja, er war sogar vor Ort, ich habe ihn aber nicht angesprochen. Ich wollte ihm seine Ruhe gönnen, die man dort oben wie nirgendwo sonst bekommt. Falls jemand wissen möchte, wo sich diese Alm mit dem Gipfelkreuz befindet, kann mich ja fragen. :)

Ich bin schon wieder vom Thema abgedriftet…ja, da kannst du auch mal sehen, wohin meine Gedanken so dahinschweifen…haha. 

Jedenfalls war die Fahrt ins Allgäu schon eine große Herausforderung für mich, aber danach war ich glücklich, das getan zu haben. Wenigstens habe ich mich mal für einen Tag getraut. 

Schon Wochen vor den Sommerferien flüsterte mir meine Stimme zu, ich solle alleine wegfahren. Immer wieder warf ich den Gedanken beiseite. Zu groß war die Angst. Doch warum habe ich Angst davor? Es gibt viele Menschen, die alleine reisen. Geht es denen genauso? Wovor habe ich Angst? Vom Alleinsein? Es ist das Alleinsein – es ist definitiv das Alleinsein. Und genau deshalb muss ich es tun!

 

Dann habe ich einfach mal zwei Nächte gebucht… 

Ich habe sowieso das Gefühl, dass ich eine Ablenkung brauche. Ich muss raus und gedanklich weg von – nennen wir es mal »Passau«. 

 

Meine Mama wirft mir einen besorgten Blick zu, als ich ihr von meiner Idee berichte. Ich sage ihr immer, dass sie ihre Nabelschnur einfach weiter ausrollen soll. Haha. Die ältere Generation versteht oft nicht, wie man alleine wohin fahren kann. Ja, es ist natürlich eine Herausforderung für mich. Mein Verstand versucht mich inständig davon abzuhalten und platziert mir die irrsinnigsten Gedanken in meinen Kopf. Was ist, wenn ich einen Unfall habe? Auf den Straßen passiert ja so viel. Sicher ist das Reisen nicht. Kann ich überhaupt so weite Strecken alleine fahren? Kapier ich den Verkehr in den Städten? Finde ich passende Parkplätze? Was ist, wenn ich nicht mehr nach Hause komme? Das ist das Ende, ganz bestimmt. Bleib lieber daheim. 

Total crazy dieser Verstand. Ja, er will einen beschützen, aber das ist schon zu übertrieben. Wenigstens weiß ich, dass mir der Verstand da dreinredet und ich schiebe ihn liebevoll zur Seite und gebe meiner Intuition mehr Aufmerksamkeit. 

 

 »Mit wem soll ich denn sonst so eine spontane Reise machen?«, frage ich meine Mama, die mich ratlos anblickt. »Mit Hans Peter Mayer oder fällt dir ein anderer Pensionist ein, der zufällig über die Sommerferien Zeit hat?«, rede ich sarkastisch weiter. 

Nicht jeder hat neun Wochen frei und ich möchte nicht den ganzen Sommer nur rumsitzen und Däumchen drehen. Außerdem weiß ich tief in mir, dass ich mit dieser Challenge, die ich mir selber gemacht habe, innerlich wachsen werde. Irgendeinen Grund hat es, dass ich das mache. 

Ich glaube, als ich jünger war, hatte ich nicht so viel Schiss. Mit Anfang 20 bin ich für fast drei Monate alleine nach Kalifornien geflogen, um über den Sommer auf zwei kleine Kids aufzupassen. Ich habe es einfach gemacht – ohne groß darüber nachzudenken. Und ich kann heute behaupten, dass es eines der coolsten Erlebnisse war, die ich jemals gemacht hatte. 

 

Wird schon alles gut gehen. Ab und an schaffe ich es zwischen den negativen Sätzen wieder einmal etwas Positives einzuwerfen. Daran halte ich mich fest – wie an einem Ast. Doch der Ast scheint nicht mehr lange halten zu wollen. Das Gewicht meiner nicht so schönen Gedanken wird mehr. 

 

Kurzerhand habe ich mir eine Route überlegt – zumindest für die ersten zwei Tage – damit ich wenigstens fürs Erste weiß, wohin ich fahren soll. 

Nur meine Eltern und meine Schwestern wissen Bescheid. Ich kann mit meinen Freunden nicht darüber reden und auch meiner Familie nicht genau sagen, was ich vorhabe. Denn wenn ich darüber rede, zumindest habe ich das so im Gefühl, dann klingt es so echt und dann würde ich es nicht schaffen, loszufahren. Ich verdränge es regelrecht. 

Trotz allem habe ich mir am Nachmittag noch eine grüne Umweltblankette besorgt, damit ich in jede deutsche Stadt fahren darf. Gut, dass ich kein Dieselauto habe. Weiß ich überhaupt, wie das Tanken in Deutschland geht? Chrissy, du brauchst unbedingt einen Ölkanister als Reserve! 

Motoröl habe ich auch besorgt, weil mein Auto das meiner Meinung nach ziemlich oft braucht. Mein Mechaniker hat gemeint, das sei normal. Ich kenn mich sowieso nicht aus und muss es ihm glauben. 

 

Gedankenausschaltknopf 

*****

Mein Lichtwecker weckt mich mit einem sanften Wellenrauschen und einem hellen Licht. Es ist 5:50 Uhr. Bitte nicht. 

Ich habe mir gefühlt die ganze Nacht den Kopf wegen meines Vorgehens zerbrochen. Diese Gedanken konnte ich nachts nicht verdrängen. Immer wieder spielten sie die selben Szenen ab und riefen mir die gleichen Sätze zu. 

Ich bleibe einfach liegen. Ja, ich bleibe auch zu Hause. Das ist am besten für mich. Zu Hause ist es am schönsten. Ja, genau. Aber du hast schon zwei Nächte gebucht. Kostenlos kannst du die nicht mehr stornieren. Du musst fahren. Ich will aber nicht. Ich habe Angst. Doch du musst fahren, sonst bereust du es. Was ist, wenn ich einen Autounfall habe? Ich will nicht Autobahn fahren. Ich hasse Autobahnfahren. 

Chrissy, beginne nicht immer mit »ich«, lasse dir mal andere Satzanfänge einfallen. Es geht aber um mich und da denke ich nun mal so. 

 

Verrückt diese Gedanken oder? Kennst du auch solche Gedanken? Hast du schon mal probiert, deine Gedanken aufzuschreiben? Glaube mir, so schnell können die Finger gar nicht schreiben, so schnell wie die Gedanken hereinflitzen – wie so Blitze schlagen sie ein und wollen sich in dir breit machen und dein ganzes Sein erobern. Einmal spricht mein Kopf in der Ich-Form und dann wieder in der Du-Form. Manchmal weiß ich gar nicht mehr, wer gerade in mir spricht und ob ich meine Intuition überhaupt noch hören kann. Da hilft dann nur eine ruhige Atmung und Augen schließen. Dann kann man die für sich richtige Entscheidung deutlich spüren. 

Ich setze mich einfach mal ins Auto und fahre nach Passau. Step by step. Dann schaue ich weiter. 

Nach sieben Uhr befinde ich mich im Auto. Wolltest du nicht schon um sieben losfahren? Du bist spät dran. Das bin ich gar nicht gewohnt von dir. In letzter Zeit passiert dir das öfters. 

In Passau beschließe ich nach Regensburg weiterzufahren. Ich schaue mir einfach mal die Stadt an und dann kann ich noch immer entscheiden, ob ich weiterfahre oder doch wieder umkehre. Einen passenden Parkplatz habe ich mir auch herausgesucht. Der scheint mir nicht zu zentral und leicht zu finden zu sein. 

 

Ich merke, wie nervös ich werde, als ich mich jeden Meter der Autobahn nähere. Zu selten fahre ich Autobahn, sodass ich es absolut nicht mag, so schnell zu fahren und ständig LKWs zu überholen oder neben diesen fetten Dingern herzufahren. 

Die Tempoanzeige überschreitet die 140km/h – immer und immer wieder. Ich spüre den Wind, der gegen das Auto drückt und fasse das Lenkrad ganz fest mit beiden Händen, so wie ich es in der Fahrschule gelernt habe. Irgendwann fällt mir auf, wie sehr meine Finger sich um das Lenkrad festkrallen. Meine Zähne sind zusammengebissen und das fällt mir erst auf, als ich wieder auf der rechten Spur fahre und die Geschwindigkeit unter die 130km/h anzeigt. Wie automatisch atme ich aus und mein Körper entspannt sich mehr. Da wird mir erst bewusst, was ich alles angespannt habe. 

Mit der Musik von Michael Patrick Kelly schaffe ich es doch, mich mehr zu entspannen. Gerade könnte ich keine laute oder schnelle Musik hören. Das würde mich total nervös machen. 

Der Parkplatz in Regensburg ist schnell gefunden und es sind auch noch einige Plätze frei. Womöglich deshalb, weil es noch vor neun Uhr ist. 

Die meisten Geschäfte haben noch zu, aber es tummeln sich schon viele Touristen in der Stadt herum. Ich möchte mir einfach die Brücke und die Häuser davor kurz ansehen. Meinen beiden Schwestern schicke ich in der Gruppe einen Snap, damit sie wissen, dass ich noch lebe und ich in Regensburg bin. 

Lange bin ich nicht in der Stadt. Vielleicht 45 Minuten. Dann ist mein Kopf im Hintergrund. Wieder komme ich zurück zu meinem Auto, ich tippe in mein Navi »Bamberg« und eine Adresse für einen passenden Parkplatz ein und fahren einfach los. Wow! Ich mache es einfach. Jetzt wo ich schon mal in Regensburg bin, fällt es mir deutlich leichter. Sobald ich aber einmal in Bamberg bin, gibt es kein Zurück mehr. Dann muss ich wo übernachten. Oder vielleicht könnte ich doch noch heimfahren heute?

Auf der Autobahn lese ich auf einem Schild »Nürnberg«. OMG! Diese Stadt fühlt sich zu weit weg an. Jetzt lese ich sie vor mir. Chrissy, du fährst ja nicht nach Nürnberg! Ich fühle mich, als würde ich hoch in den Norden fahren und nie mehr wieder heimkommen. Ja, ich habe so richtig Schiss! Haha. Nein, zum Lachen ist mir nicht zumute. Während der Fahrt kommt mir immer wieder der Gedanke, dass ich heute noch zurück ins Innviertel fahren könnte. In Österreich ist es doch auch so schön. 

Die Zeit vergeht wie im Flug. Ich denke über Gott und die Welt nach und kann mich trotzdem nicht mehr daran erinnern, an was ich genau alles nachgedacht habe. Und so ist die Zeit vergangen. Michael Patrick Kelly hat mich bis nach Bamberg begleitet. Ich habe beschlossen, heute nichts anderes zu hören. 

Dann biege ich in die Ausfahrt ein und es geht langsamer weiter auf einer – ich nenne sie mal Landstraße. Und da entspannt sich mein Körper vollkommen und ich merke, wie ich erleichtert und gleichzeitig stolz auf mich selbst gerade bin, was ich mich getraut habe. Wie aus dem Nichts kommen mir die Tränen. Haha. Kein Scheiß! Für eine Millisekunde muss ich einfach weinen. Ich bin einfach so erleichtert und froh über meine Entscheidung, die sich so richtig und gut angefühlt hat und ich dennoch große Angst davor hatte. 

Falls du es bis hierhin gelesen hast, reden wir bitte nicht darüber. Kostet mir genauso viel Überwindung, diese Zeilen zu veröffentlichen, wie 140km/h auf der Autobahn zu fahren. 

Bamberg ist eine schöne und belebte mittelalterliche Stadt. Diese Häuserreihen sieht man bei uns daheim nirgendwo. Ich laufe einfach den Touristen nach und die bringen mich wirklich zu den Wahrzeichen der Stadt. Es ist sonnig und warm und ich schlendere durch die vielen kleinen Gassen, genieße so richtig die Zeit, knipse Fotos und tauche ein in die Zeit vor hunderten von Jahren. Hier scheint es, als wäre die Zeit stehen geblieben – zumindest wenn man die vielen Häuserreihen betrachtet. Wahnsinn! 

Dinner for one

****

Thema alleine Essengehen. Ich habe ein Restaurant gefunden. Da gibt’s Salate. Bei dieser Hitze ist es genau das Richtige. Doch ich kann mich nicht alleine auf einen Tisch setzen. Niemand sitzt alleine und isst alleine. Oh doch, da drüben ist eine Frau. Schau, dann kannst du das auch machen. Oh Mann. Ich fühle mich wie das größte Opfer. Aber was ist so schlimm daran, alleine zu essen?

Ich bestelle einen Salat mit einem Ofenkartoffel. Hinter mir isst jemand das Gericht und es sieht lecker aus. Zu trinken bestelle ich eine Apfelschorle. Wie blöd, dass ich dieses Wort sagen muss. Das ist ein Apfelsaft gespritzt! :) 

Die Speisekarte ist auf Oberfränkisch. Darunter stehen die Speisen in der Standardsprache. Viele Ausdrücke bringen mich zum Grinsen. 

Nebenan haben sich drei Chinesen platziert. Mann und Frau mit ihrer Tochter, schätzungsweise Ende 20. Sie bestellen Weißbier und bayrische Hausmannskost: eine Pfanne mit Schweinsbraten, Würste, Ripperl und Co. 

Wie aus dem Nichts höre ich aus einer Gasse jemanden jodeln. Geil! Amüsiert grinse ich. Ist das die bayrische oder österreichische Kultur. Oder beides? :)

Bei »Karo 18« kaufe ich vier Postkarten, weil ich die Aufschriften witzig finde. Einige Ausdrücke, die ich lese, gibt’s auch bei uns in Oberösterreich. 

Eine Nacht bei den Franken

****

Humor haben sie, die Franken. Das fällt mir auch in dem kleinen Dorf auf, in dem ich die erste Nacht verbringe. Ich bin in Erlabrunn gelandet. Gewählt habe ich dieses Hotel, weil es einen mittelalterlichen Flair hat und die Umgebung auch schön sein soll.

Gleich nach der Ankunft erkundete ich das kleine Dorf. Für alle Weinliebhaber kann ich Erlabrunn empfehlen – ein Weinheuriger nach dem anderen. Jedoch ist es nur für die Leute, die es gerne ruhig mögen. Partymäuse haben dort nichts verloren. Ich muss echt sagen, diese Gemeinde ist echt ein Must-See. Womöglich gibt es aber mehrere solcher bezaubernder Städtchen im mittelalterlichen Stil. Schon während der Hinfahrt konnte ich einige dieser Häuserreihen bewundern. Erst jetzt, wo ich bei meiner ersten Unterkunft angekommen bin, kann ich so richtig durchatmen und ich strahle wieder. Vor allem freue ich mich so immens, dass ich mich überwinden konnte. Danke. 

Am Parkplatz spricht mich ein deutscher Pensionist an. Er sieht mein österreichisches Kennzeichen und erzählt mir sogleich von seiner Reise nach Wien und dass es dort so heiß war. Guter Herr, es gibt viel schönere Orte in Österreich als Wien. Alle wollen immer nach Wien. Sorry hier für alle Wienliebhaber. Ich bevorzuge lieber die Country Side. :)

 

Erlabrunn habe ich schnell abgeklappert. Im Gastgarten lausche ich den Stimmen der Gäste, trinke irgendeine Schorle und einen Cappuccino und schreibe fleißig diese Zeilen. Anfangs dachte ich noch, dass ich mich nicht darauf konzentrieren und ich nicht abschalten kann. Unter Menschen schreiben fällt mir eher schwer.  Doch ich schaffe es, die Leute auszublenden, zumindest zeitenweise. Denn ab und an dringen seltsam klingende Wörter in meine Ohren. Ist das Fränkisch? Manche sprechen auch das »schöne« Deutsch. Aber ist es wirklich das schöne Deutsch?

Welchen Dialekt bevorzugst du?

Da gibt es ja viele Geschmäcker. Mir kommt es vor, als würde ich unterschiedliche Dialekte rundherum hören. Mein Favorit ist Innviertlerisch beziehungsweise Niederbairisch. Das klingt einfach so nach Heimat.  

Typische bayrische Hausmannskost wird nebenbei den redseligen Gästen serviert: Schweinsbraten und Stelzen – äh ich meine Schweinshaxn. Top!

 

Mein Kopf brummt etwas. Ich habe nicht so viel getrunken, damit ich nicht so oft auf (die) Toilette muss. Der Artikel ist da absichtlich in Klammer gesetzt, die Deutschen reden ja so, haha. 

Dann nehmen meine Ohren wieder ein Wort auf. »Brötle.« Hihi.  Und ich höre noch ein Wort aus einem Satz heraus. Die Deutschen schauen ja nicht – sie gucken. :)
Die verschiedenen Ausdrücke und Dialekte interessieren mich wirklich. 

Eigentlich hatte ich vor, am nächsten Tag zur Burg Eltz zu fahren. Du wirst hier aber keine Fotos finden, denn die Burg wird mich nicht sehen. Schaue dir die Burg mal auf Google an, sie sieht aus wie aus einem Märchen. 

Die Hinfahrt würde drei Stunden dauern und dann hätte ich noch einmal eine gute Stunde bis zum nächsten Hotel, das ich gebucht habe. Das habe ich mir nicht so gut überlegt. Was habe ich mir da eigentlich dabei gedacht? Irgendwie fühlte sich das nicht richtig an. Also nicht nicht-kopfrichtig, sondern nicht-herzrichtig. 

Also entscheide ich mich für eine gemütlichere Fahrt und mache das, was ich sowieso schon immer machen wollte: die Romantische Straße runterfahren.

Im Prinzip ist es egal, wohin ich fahre und was ich mir anschaue. Der Zweck dafür soll sein, dass ich mich einfach einmal traue, alleine zu reisen. Ruhe finden und eventuell meinen Kopf zum Schweigen bringen steht auch auf meiner Liste. 

 

Im Hotelbett fallen mir irgendwann meine Augen zu. Ich weiß nicht, wie lange ich geschlafen habe. Die lange Autofahrt und die Aufregung haben mich müde gemacht. Chrissy, du kannst das nicht veröffentlichen, was du da alles schreibst. Schon schaltet sich mein Verstand wieder ein, obwohl ich so müde bin. 

Das überlege ich mir morgen noch einmal. Was würden die Leute denken? Sie werden sagen, dass du nicht ganz dicht bist. Sie fragen sich, was du dir damit einbildest. Mach das nicht. Pssst. Wir reden morgen darüber. Ich möchte jetzt schlafen. 

Der innere Quatschkopf

****

Am zweiten Tag befinde ich mich für einen kurzen Absacker in Baden-Württemberg. Um ehrlich zu sein wusste ich, dass ich nicht mehr in Bayern bin, konnte mir aber das Bundesland nicht merken. Von Michael Patrick Kellys Musik geht es von der Malle-Spotify-Playlist bis hin zu Austropop und meiner eigenen Playlist, die gefüllt mit allen möglichen Musikgenres ist: Pizzera und Jaus, 30 Seconds to Mars, Seiler und Speer, Fäaschtbänkler, Volbeat, Backstreet Boys,… 

Ich singe laut mit, fahre mit 30km/h durch eine Baumallee und rappe zu Eminem mit – what a life. :) 

Ja, dieser Tag ist schon viel chilliger und ich bin echt positiv gestimmt. Ich kann wirklich von mir behaupten, dass ich mich sehr gut alleine unterhalten kann und ich finde mich echt witzig by the way. 

Es kommt mir vor, als wäre ich schon eine ganze Woche unterwegs und in Wirklichkeit bin ich erst gestern losgefahren.  

Worüber ich die ganze Zeit nachgedacht habe, kann ich mich ehrlich gesagt nicht mehr erinnern. Man vergisst das ja im Bewusstsein dann wieder. Da müsste ich während ich mit dem Auto fahre, alles aufschreiben. 

Ich weiß ja nicht, wie es anderen geht, aber man denkt alleine schon so über sein Leben nach. Vor allem wenn man im Auto sitzt, schweifen die Gedanken schon mal schnell ab. Falls jemand denkt, ich befinde mich auf einen Selbstfindungstrip, dann falsch gedacht. Ich weiß genau, wo ich bin. Und ich weiß auch genau, was ich will…

 

Ich war ganz alleine auf der Burg Wertheim und ich glaube sogar, dass ich die Straße, die ich hochgefahren bin, nicht benutzen durfte – aber egal. Was kann mir schon passieren? Manchmal verhalte ich mich eh zu korrekt und verstoße nie  gegen die Regeln. 

Ich parke mein Auto seitlich am Waldrand und laufe gleich einmal viele, viele Stufen hoch: Morgensport. :)

Habe ich schon erwähnt, dass ich Burgen liebe? Wenn nicht, dann sage ich es jetzt: Ich liebe Burgen. Das Gefühl, die Umgebung, die Geschichten und Gemäuer von der Vergangenheit faszinieren mich sehr. Alte Bauwerke will ich immer berühren, weil ich mich dann mehr damit verbunden fühle. Crazy. :) 

Dann geht es weiter die Romantische Straße hinunter. In Tauberbischofsheim, Rothenburg ob der Tauber und Dinkelsbühl halte ich an und schlendere durch die mittelalterlichen Gassen. Die Stadt Würzburg ließ ich übrigens aus. Hatte keine Lust auf viele Menschen, viel Verkehr und Parkplatz suchen und irgendwie bevorzuge ich kleinere Städte mehr. 

In Rothenburg schlendere ich an der Wehrmauer entlang, die hunderte Meter weit die mittelalterliche Stadt umschließt. Wow! Es ist ein mega Gefühl, auf dieser Mauer, die aus der Zeit der Ritter und Burgherren kommt, zu gehen. Zwischenzeitlich denke ich auch daran, genügend Fotos zu knipsen, damit ich es den Schülerinnen und Schülern im Geschichtsunterricht zeigen kann. Haha. Solange die Kids etwas zu sehen bekommen und nicht allzu viel schreiben müssen, sind sie dafür schnell zu begeistern. :)

Dinkelsbühl soll als die schönste bayrische Stadt gewählt worden sein. Mal ehrlich: Sie ist wirklich schön. Würde man keine Autos sehen, glaubt man, man sei in die Vergangenheit zurückgereist. Dort scheint die Zeit im Mittelalter stehen geblieben zu sein. 

 

Meine zweite Übernachtung ist im Hotel Sonnenhof, 18 Minuten von Augsburg entfernt. Wenn ich Augsburg höre, dann denke ich immer an einen Pensionisten, der uns früher immer besucht hatte. Er kennt meinen Opa und kam dann auch gerne zu uns, weil er ebenfalls ein begnadeter Hasenzüchter, wie mein Papa früher, war. Ehrlich gesagt weiß ich gar nicht, wie er mit vollem Namen heißt. Wir alle haben ihn einfach »Augsburger Gerhard« genannt. Meist kam er alleine und hin und wieder nahm er seine Frau Elfriede mit, die oft über ihr Leben jammerte – ja das weiß ich noch aus meiner Kindheit. Er selbst war ein fröhlicher und genügsamer Mensch, zumindest habe ich ihn so in Erinnerung. 

Übrigens ist Augsburg in Schwaben. Das habe ich sofort gemerkt, als ich »Biergärtli« gelesen habe. Haha. Was für ein Dialekt! Nicht so mein Geschmack. :)

Bevor ich diesen Trip startete, dachte ich, dass ich nicht so viel Komfort haben will, doch jetzt habe ich mich doch dafür entschieden. Denn wenn ich entspannen und zur Ruhe kommen will, dann möchte ich ein schönes Hotelzimmer mit einem kuscheligen Bett, schönem Badezimmer und einem leckeren Frühstück. Ach ja, ein Parkplatz soll auch vorhanden sein, deshalb bleibe ich nicht direkt in den Städten. In diesem Hotel ist sogar die Minibar for free. Top!

Wenn ich schon beim Thema Freundlichkeit bin: Dass die Deutschen oft als griesgrämige und unfreundliche Menschen dargestellt werden, könnte ich nicht behaupten. Alle waren sehr gastfreundlich und lieb. Vor allem grüßen die Menschen sich untereinander auf der Straße. Wo gibt’s das bitte bei uns? Schon mal durch Schärding geschlendert und du hast jemanden gegrüßt oder bist gegrüßt worden?

Ein nettes Lächeln hatte oft jeder übrig. Vielleicht auch, weil ich den Menschen ebenfalls ein Lächeln zuwarf. Meist sah ich sowieso nur Pensionisten. So viele junge Leute halten sich hier nicht auf. Hihi. 

Meiner Familie schicke ich ständig Updates, damit sie wissen, dass ich noch am Leben bin. Nachdem ich am zweiten Tag einige Fotos von den bayrischen Städten geschickt habe, kommt eine Nachricht von Mama in der Family Whats App Gruppe mit folgendem Satz: »Hätt gar ned glaubt, dass in Bayern soo sche is.«

Mamas Nachricht bringt mich zum Schmunzeln. 

 

Ich möchte hier noch erwähnen, dass dies hier nicht für einen Reiseblog dienen soll. Mit diesen Texten möchte ich einfach zeigen, was in einem so vorgeht, wenn man alleine wohin fährt. Und ich denke auch, dass jeder gewisse Lebenssituationen hat, in denen der Verstand so richtig verrückt spielt, nur sprechen die wenigsten darüber. Über solche Gedanken und Gefühle redet man nicht und schon gar nicht öffentlich. Aber im Grunde ist es etwas, was uns alle täglich begleitet: der innere Quatschkopf, der einfach nicht aufhört zu sprechen und der uns immer wieder von gewissen Handlungen abhalten möchte. Ja, manchmal kann er ganz hilfreich sein, weil er uns immer beschützen will. Meist aber hält er uns klein und wir können unser wahres Potenzial – alles was in uns steckt – nicht zeigen. Kann man ihn ausschalten? Ich glaube nicht. 

Doch ich kann ihm mal sagen, dass ich ihm weniger zuhöre, und mehr auf die innere Stimme, auf den Bauch oder wie auch immer man es nennen mag, hören möchte. Diese Stimme führt einen dorthin, wo man hingehört. #herziherz. 

PS: Hubert und Staller in Bayern schauen macht die Serie gleich noch einmal authentischer. :)

Du weißt genau, was gut für dich ist

 

****

Am dritten Tag gönne ich mir erst einmal ein ausgiebiges Frühstück, das dieses Hotel hergibt. Ich esse wirklich zu viel und danach ist mir übel. Haha. Top, Chrissy! Wenn ich nur eine Nacht da bin, dann will ich auch viel probieren. Musst du wieder so viel essen?  Aber dann brauchst du wenigstens den ganzen Tag nichts mehr. 

Jaja, Quatschi. 

 

Ich suche mir das Einkaufszentrum von Augsburg heraus. Dort möchte ich parken. Es heißt »City Galerie.« Nett. Erinnert mich an die Stadtgalerie in Passau. Und nicht nur der Name, sondern eigentlich alles. Das Parkhaus, der Parkautomat und die Geschäfte. Vielleicht ist das wie so eine Kette? Keine Ahnung. 

Ich shoppe etwas beim Depot und in einem Buchladen und suche mir anschließend die Sights von Augsburg heraus. Um ehrlich zu sein, habe ich keine Lust darauf. Es hat über dreißig Grad. Aber du musst dir die Sehenswürdigkeiten von Augsburg anschauen? Muss ich das wirklich? Ja, natürlich. Was würden denn die anderen sagen, wenn du in Augsburg bist und nur im Einkaufszentrum warst? Ist es nicht egal, was andere denken und sagen? 

 

Grundsätzlich glaube ich, dass mir die Gedanken von anderen über mich egal sind. Doch da schleichen sich trotzdem immer solche Denkweisen ein, die etwas anderes belegen. Mhm.

Warum ist es uns so wichtig, was andere denken? Im Grunde können wir die Gedanken anderer nicht beeinflussen. Ich kann das von dir nicht und du genauso wenig von mir. Zusätzlich weiß ich gar nicht, was andere denken. Das spielt mir auch nur mein Kopf vor. Und daraus entstehen solche Gedankenmuster und Glaubenssätze. Das ist irre und interessant zugleich, wenn man das einmal durchschaut hat. 

Übrigens: Die Romantische Straße geht hinunter bis nach Füssen. In Schwangau gibt es das wunderschöne Schloss Neuschwanstein. Ich wollte nicht mehr dorthin, weil ich schon vor einigen Jahren einmal dort war, und um ehrlich zu sein freue ich mich auf meine gemütliche Couch. :)

Die bayrische Metropole Dinkelsbühl ;)

 

Die Heimfahrt ist zum Teil anstrengend. Viele Autos fahren auf der Autobahn. Ich habe mich wieder dafür entschieden, weil ich trotzdem einiges an Zeit einspare. Aus den Boxen dröhnt zuerst Austropop und danach meine selbsterstellte Playlist, in der so gut wie jedes Genre vertreten ist. 

»It`s too late to apologize…« Habe erst kürzlich diesen Song hinzugefügt. Er erinnert mich an meine Teenie-Zeit, weil er erschien, als ich so 15, 16 Jahre alt war. Ich mag dieses Lied, stimme aber dem Text nicht zu. Meiner Meinung nach ist es nie zu spät, jemandem zu vergeben oder sich zu entschuldigen. Alles passiert meiner Meinung nach aus einem bestimmten Grund. Wir alle tun Dinge, treffen Entscheidungen, die wir vielleicht auch mal anders machen hätten können. Wow – so viele Modalverben. Ist das noch grammatikalisch richtig? 

Wir können unsere Handlungen und Entscheidungen immer verändern und jeden Tag aufs Neue ein anderer Mensch sein, wenn wir das wollen. Wir alle treffen Entscheidungen, die wir immer für uns selbst festlegen, wir tun das nie gegen jemanden. 

Diesen Satz finde ich sehr wichtig und ich halte ihn mir immer vor Augen. Dann kann ich meine Mitmenschen besser verstehen und ihnen auch vergeben. 

Du darfst da natürlich anderer Meinung sein. Du hast sicher andere Erlebnisse, die dich vielleicht anders darüber glauben lassen. Und das ist auch okay so. 

 
Ach ja: Das Motoröl habe ich kurz vor Augsburg nachgefüllt. :)  

Höhenangst-Chrissy hat sich auf den Turm getraut :)

Genauso Schiss wie ich von der Fahrt hatte und wie ich schon oft vor anderen Entscheidungen hatte, habe ich Schiss davor, diese Zeilen zu veröffentlichen. 

Was ist, wenn meine Schüler:innen das lesen? Die denken sich doch auch, ihre Lehrerin spinnt. Haha, das bringt mich sogar zum Lachen. Aber mal ehrlich: Meine Schüler:innen lesen freiwillig keine 5000 Wörter und schon gar nicht in den Ferien. :)

Und es ist egal, was jemand über etwas denkt. Man kann es sowieso nicht kontrollieren. Vielleicht konnte ich damit jemandem helfen. Vielleicht gibt es da draußen Menschen, die auch gerne alleine etwas machen möchten, sich aber noch nicht getraut haben. Egal, was es ist. Ich will jetzt nicht groß reden, nur weil ich drei Tage weg war. :) Profi bin ich darin noch lange nicht, aber ich übe mich in meinen Herzentscheidungen und vertraue darauf, dass sie mich auf meinen richtigen Weg bringen. 

Jeder darf auf sich selbst vertrauen. Was für andere nicht gut ist, kann vielleicht für dich der Sprung in ein gewaltig geiles Leben sein. Just do it! Tu es mit Liebe und aus vollem Herzen – und mit einem Lächeln im Gesicht. :)

Ich bin dir sehr dankbar für deine kostbare Zeit. Du hast es bis zum Ende gelesen. Wowi! :)

Die letzten drei Tage habe ich einige schöne Orte in Bayern gesehen. Ich habe sicher  nicht alle gesehen, aber nun kann ich eines sagen: Ich habe mich auf die Suche nach der schönsten bayrischen Stadt gemacht und meiner Meinung nach gibt es die schönste bayrische Stadt gleich in meiner Nähe. Ich hätte nicht hunderte Kilometer fahren müssen. Passau ist und bleibt mein absoluter Favorit, denn dort ist auch gleichzeitig das Gefühl von Heimat und somit auch mein Herz zu Hause. #Love
So und diese Story steckt hinter den Bildern, die du in meiner Insta-Story gesehen hast. Hättest du das gedacht? :)